Tutorial Drunkard’s Path – Wie näht man Kurven?

Meine Lieben,

in meinem neuen Schnittmuster Moonstruck kommen eine Menge Kurven vor, also dachte ich mir, es wäre an der Zeit, ein Tutorial zum Thema ‚Kurven Nähen‘ zu schreiben. Ich hatte früher immer eine Menge Respekt davor und ich weiß, dass es einigen von euch auch so geht. Dabei ist es mit ein paar kleinen Kniffen wirklich nicht so schwierig!

Der klassischste Kurven-Block, der mit der traditionellen Piecing-Methode ganz ohne Appliqué oder EPP genäht wird, nennt sich Drunkard’s Path, also ‚Der Pfad des Trinkers‘. Manchmal findet man diesen Block auch unter dem Namen Solomon’s Puzzle, also ‚Das Rätsel des Salomon‘.

Um einen Drunkard’s Path-Block zu nähen, brauchst du deine normalen Näh-Utensilien:

  • zwei Stücke Patchworkstoff
  • Rollschneider und Schneidematte
  • Bügeleisen und -matte
  • Garn
  • Nähmaschine

Zusätzlich benötigst du zwei Templates, mit denen du die Stoffe für die Kurven zuschneiden kannst. Oft kann man diese als Download zum Ausdrucken auf verschiedenen Blogs finden. Oder du kaufst dir Acryl-Quiltlineale in der Größe, die du nähen möchtest. Ich nutze hier die Lineale von Darlene Zimmerman, die einen Block von 5 1/2″ x 5 1/2″ (unfinished, also mit NZ) ergeben (gibt es zum Beispiel hier zu kaufen).

Schneide zunächst deine Stoffe als Quadrate zu, in den Maßen, die zu deinen Templates passen. Für mich bedeutet das, ich brauche 5 1/2″ x 5 1/2″ Zuschnitte in hell und 4 3/4″ x 4 3/4″ in türkis. Zum Zuschneiden platziere ein Template genau in die Ecke des Stoffs. Halte es dann mit deiner ’schwachen‘ Hand (bei mir rechts) gut fest – am Besten platzierst du deinen Daumen und kleinen Finger jeweils an die Kante des Templates, um das Lineal mit einer zusätzlichen Barriere am Verrutschen zu hindern. Fahre nun langsam mit deinem Rollschneider an der runden Kante entlang – denk daran, eine neue Klinge zu nutzen, das bewirkt beim Kurven Zuschneiden wirklich Wunder!

Danach bügelst du einen Knick in die Mitte jedes Zuschnitts. Das hilft uns gleich beim Zusammenstecken. Falte dazu die inneren Viertelkreise (bei mir Template B) RAR, also rechts auf rechts, und die äußeren Stoffe (Template A) LAL, also links auf links. Du musst nicht den kompletten Zuschnitt bügeln, es reicht, wenn du circa 1cm an der runden Kante markierst.

Viele QuilterInnen pinnen ihre Kurven mit unzähligen Stecknadeln fest, bevor sie nähen – ich persönlich finde es mit nur drei Nadeln viel einfacher zu händeln: eine Stecknadel in die Mitte und jeweils eine an die Kante rechts und links.

Wenn du die beiden Zuschnitte RAR aufeinanderlegst, rutschen die gebügelten Markierungen von ganz alleine ineinander und du musst nur noch eine Stecknadel in die Mitte pinnen. Zum Pinnen der Kanten achte einzig und allein darauf, dass die geraden Kanten auch wirklich parallel aufeinanderliegen. Dass deine Stoffe zwischen den Stecknadeln Wellen schlagen, ist erstmal egal. Das ziehen wir während des Nähens zurecht.

Nun geht’s ans Eingemachte! Auf der Nähmaschine stelle ich den ganz normalen Geradstich ein, den ich immer zum Piecen verwende: 2.0. Wenn deine Nähmaschine eine Funktion zum Einstellen der Geschwindigkeit hat, dann stelle sie auf langsam. Kurven nähen braucht ein kleines bisschen Geduld und so reduzierst du die Versuchung davonzurasen.

Wie immer, wenn ich piece, starte ich mit einem ‚Leader‘. Das bedeutet, dass ich, bevor ich mein tatsächliches Projekt nähe, über ein Stück Stoff nähe und es nicht abschneide, sondern kurz hinter dem Nähfüßchen hängen lasse. Ein Leader hält so die Fäden fest und verhindert häufig, dass die Maschine den Anfang unseres Stoffs frisst, den wir eigentlich nähen wollen.

Platziere nun deine zusammengepinnten Zuschnitte unter das Nähfüßchen, auf Anstoß mit der Nähnadel. Wie immer im Patchwork nähen wir mit einer Nahtzugabe von 1/4″. Nähe zwei oder drei Stiche und ziehe dann die erste Stecknadel heraus, um nicht über sie drüberzunähen. Jetzt ist immer wieder Fingerspitzengefühl gefragt. Nehme den oberen Stoff und zupfe ihn vorsichtig so nach links, dass er für die nächsten paar Millimeter circa parallel zur Kante des unteren Stoffs liegt. Nähe langsam ein paar Stiche. Dann legst du die nächsten paar Millimeter Stoff parallel und nähst wieder ein paar Stiche. So arbeitest du dich langsam vor.

Wenn du zum Ende der Naht kommst, kann es sein, dass der obere Stoff kurz vor der letzten Nadel eine Falte schlägt. Zieh die Stecknadel kurz bevor du über die Falte drüber nähen würdest aus dem Stoff. Die Kante des oberen Zuschnitts liegt jetzt nicht mehr parallel zum unteren Zuschnitt. Wende nun die Technik von vorher bei jedem einzelnen Stich an: Zurechtzupfen, Stich, Zurechtzupfen, Stich, usw. Am Ende sollten die Kanten wieder parallel liegen. Dieser letzte Schritt ist bis heute das, was mir am schwersten fällt. Wenn es mal partout nicht klappen will, lege ich die Kanten schon circa einen halben Zentimeter vor Ende parallel und nähe mit geradem Stich zu Ende. Das ist zwar nicht 100% korrekt, sieht aber im Gesamtbild später besser aus als wenn ich zulasse, dass die Kanten nicht parallel sind. Das meiste des geraden Stichs veschwindet eh später in der Nahtzugabe.

Hast du alle Kurven genäht, geht es ans Bügeln. Normalerweise bin ich Verfechterin des Auseinanderbügelns, bei Kurven mach ich eine Ausnahme – es geht viel viel leichter, zur Seite zu bügeln. Klappe einfach deine genähte Einheit auf dem Bügelbrett auf – in den meisten Fällen legt sich die Nahtzugabe automatisch auf die Seite zum Kreis hin, was du nun nur noch mit dem Bügeleisen fixieren musst.

Und fertig ist dein Drunkard’s Path! Ich habe noch ein paar weitere Einheiten genäht und sie zu einem indisch angehauchten Block zusammengefügt. Meine verwendeten Stoffe sind aus der Lugu-Kollektion von Art Gallery Fabrics und Zsofia’s Adventskalender, alles erstanden bei Stoffsalat.

Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Nähen eures eigenen Drunkard’s Path!

Eure Rebekka

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